Abt. 112, Adam Opel AG

Umfang 78 lfd. m lfd. m
Laufzeit 1902 - 1955
Findmittel Datenbank; Findbuch, bearb. von Ute Mayer, 2008

Geschichte des Bestands

Der Bestand, etwa 78 lfd. m., wurde 1994 als Depositum der Adam Opel AG übernommen. Er umfasst Akten und Geschäftsbücher aus den Jahren 1902 - 1955, insbesondere zum Vertrieb der Produkte (auch durch Zweigniederlassungen) und zur Verwaltung des Immobilienbesitzes in verschiedenen Städten. Für die Jahre nach der Übernahme durch die General Motors Corp. sind Unterlagen zu Produktplanung sowie zur Umgestaltung der Verwaltung des Unternehmens nach amerikanischem Vorbild überliefert.

Geschichte

Adam Opel (9.5.1837 - 8.9.1895) war der älteste Sohn des Schlossers Philipp Wilhelm Opel, der aus Gräfenhausen nach Rüsselsheim übersiedelt war und dort eine Schlosserwerkstatt betrieb. Nach einer Schlosserlehre arbeitete er zunächst drei Jahre bei den Pariser arbeitete Nähmaschinenherstellern F. Journaux & Leblond (19.8.1959 - 5.2.1862) und Haguenin & Reimann (März 1862 - 14.8.1862).

Noch 1862 gründete er in Rüsselsheim eine eigene Produktionsstätte und entwickelte den Prototyp seiner ersten Nähmaschine. Durch die 1866 kriegsbedingt steigende Nachfrage nach Uniformen wuchs auch der Absatz an Nähmaschinen, so dass Opel seine Fabrikanlage erweitern konnte und zusätzlich andere Fabrikate aus Frankreich hinzu kaufen musste. 1867 erwarb er für 144 Gulden einen Acker in der Nähe des Rüsselsheimer Bahnhofs und begann 1868 mit dem Bau einer neuen Fabrik. Bald war Opel einer der führenden Nähmaschinenproduzenten in Deutschland und exportiert seine Produkte nicht nur ins übrige Europa, sondern auch in die USA. 1884 fertigten in Opels Fabrik 240 Arbeiter 15.000 Nähmaschinen und erwirtschafteten einem Umsatz von 600.000 Mark.

Seit 1886 begann das Unternehmen zusätzlich mit dem Bau von Fahrrädern, wobei die erfolgreiche Teilnahme des Opel-Sohns Carl an Radrennen den Absatz begünstigten. Zu den zunächst gebauten Hochrädern traten bald auch Niederräder und Dreiräder. Daneben übernahm das Unternehmen die deutsche Generalvertretung für Michelin-Reifen.

Nach dem Tod Adam Opels im Jahr 1895 fiel der größte Teil des Besitzes an seine Ehefrau Sophie Opel geb. Scheller (13.2.1840 - 1913), während die gemeinsamen Söhne (Georg Adolf Carl 31.8.1869 - 17.2.1927, Albert Wilhelm 15.5.1871 - 2.5.1948, Heinrich Adam 22.9.1873 - 28.5.1928, Friedrich "Fritz" Franz 20.4.1875 - 1.1.1880, Ludwig (1.1.1880 - 16.4.1916) nur geringe Anteile erhielten. Die Geschäfte des Unternehmens führten Carl und Wilhelm Opel fort.

In den folgenden Jahren stieg die Nachfrage sowohl in der Nähmaschinen- als auch in der Fahrradsparte zunächst weiter an. Doch 1898 brach der Fahrradmarkt infolge von Überproduktion plötzlich zusammen. Auch bei Opel sank der Absatz von 16.000 (1898) auf 11.500 Fahrräder (1900)

1911 fielen die Werkhallen für die Nähmaschinenproduktion einem Großbrand zum Opfer. Obwohl dieser Unternehmensbereich Gewinn erwirtschaftet hatte, beschloss die Unternehmensleitung, die Nähmaschinenproduktion einzustellen und stattdessen die Fahrrad- und Automobilproduktion zu erweitern.

Bereits 1899 hatte Opel die "Anhaltische Motorwagenfabrik" in Dessau erworben, um die Maschinen für den Aufbau eines Opel Motorwagenwerks nach Rüsselsheim zu verlagern. Der frühere Eigentümer der Dessauer Fabrik, Friedrich Lutzmann, wurde als Betriebsleiter übernommen und brachte viele seiner Mitarbeiter nach Rüsselsheim mit. 1899 wurden noch 11 Fahrzeuge nach dem System Lutzmann ausgeliefert, 1900 schon 6 unterschiedliche Modelle. Da sich die Konstruktion der Wagen jedoch als unausgereift erwies, trennte sich Opel von Lutzmann.

Nachdem das Unternehmen darauf zunächst die Generalvertretung für Renaultwagen in Deutschland übernommen hatte, kam es seit 1902 zu einer Zusammenarbeit mit dem französischen Automobilfabrikanten Alexander Darracq. Darracq-Fahrgestelle mit Opel-Aufbauten wurden seit 1904 unter dem Namen Opel-Darracq vertrieben, bis 1906 auch die Zusammenarbeit mit Darracq endete.

Als Alternative zu den bislang nur in kleinen Stückzahlen gefertigten teuren Modellen fertigte Opel seit 1909 auch einen zweisitzigen Wagen, der wegen seiner Zuverlässigkeit und seines günstigen Preises von weniger als 4.000 Mark besonders von Landärzten geschätzt wurde (so genannter "Doktorwagen"). In der Folgezeit stiegen die Verkaufszahlen stark an. Opel modernisierte seine Fertigung nach dem Vorbild der amerikanischen Fordwerke, reduzierte die Modellpalette und war mit 3.519 ausgelieferten Fahrzeuge bei Kriegsausbruch der größte Autohersteller in Deutschland.

Am 4. August 1914 wurde wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs das Werk zunächst geschlossen. Während der Kriegsjahre wurde ein Großteil der Produktion auf Nutzfahrzeuge umgestellt, mit denen vor allem Militärstellen beliefert wurden.

Nachdem Rüsselsheim 1918 von französischen Truppen besetzt worden war, wurde das Werk zunächst geschlossen, blieb jedoch von Demontage verschont, weil die Maschinen durch den Einsatz in der Kriegsfertigung stark abgenutzt waren. Bereits 1919 konnte die Automobilproduktion wieder anlaufen. Doch bereits 1923 sanken die Produktionszahlen aufgrund der Inflation. Daraufhin beschloss das Unternehmen, die Fertigung aller bisherigen Modelle einzustellen und die Produktion auf ein einziges fließbandgefertigtes Kleinwagen-Modell umzustellen, einen 12 PS starken offenen Zweisitzer mit Segeltuchverdeck, der wegen seiner grünen Farbe als "Laubfrosch" bekannt wurde und für 4.500 Mark (später nur noch 4.000 Mark) verkauft wurde. Das in der Vorkriegszeit erworbene ausländische Vermögen des Unternehmens wurde in die vollständige Erneuerung der Produktionsanlagen investiert.

Wegen der vergleichsweise geringen Produktionskosten, die Preissenkungen ermöglichten, war Opel von der um 1925 einsetzenden Krise der deutschen Autoindustrie nicht betroffen, sondern konnte sogar neue Modelle auf den Markt bringen. Zwar hatte die Fließbandproduktion kleiner Modelle Opel zum Marktführer in Deutschland werden lassen, aber die Gewinnspannen waren nur gering. Verschärft wurde der Druck durch die Überlegenheit der zunehmend auf den europäischen Markt drängenden amerikanischen Modelle. Zusätzliche finanzielle Engpässe durch hohe Erbschaftssteuern nach dem Tod von zwei Opel-Brüdern (Carl von Opel +1927, Heinrich von Opel +1928) und notwendige Investitionen zur Erneuerung der Werksanlagen sowie das absehbare Ende des Wirtschaftsaufschwungs veranlassten die Familie zum Verkauf des Unternehmens.

Bereits seit 1926 bestanden Kontakte zur amerikanischen General Motors Corp. aus Detroit, die zur Produktion eines in Europa verkäuflichen Kleinwagens bereits 1925 die englische Vauxhall Motors Ltd. erworben hatte und nun zur Umgehung der hohen Schutzzölle auch ein Werk in Deutschland erwerben wollte. Nach der Unterzeichnung einer Kaufoption im Oktober 1928 kaufte General Motors im März 1929 das Rüsselsheimer Unternehmen, das bereits am 3.12.1928 von einer KG zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt worden war, für rund 120 Mio. Mark. Mit dem Kaufvertrag vom 17.3.1929 übernahm General Motors zunächst 80 % der Nominalaktien mit einer bis zum 31.3.1934 gültigen Option auf die übrigen 20 %. Diese Option löste General Motors jedoch bereits 1931 ein und wurde somit zum alleinigen Eigentümer der Adam Opel AG.

In den folgenden Jahren wurde die Opel-Verwaltung nach dem Vorbild von General Motors reorganisiert. Zum 1.2.1932 wurden die bislang eigenständigen Opel-Automobil-Verkaufs Gesellschaften in Aachen, Breslau und Düsseldorf aufgelöst und als Adam Opel Zweigniederlassungen weitergeführt. In Brandenburg wurde ein neues Lastkraftwagenwerk errichtet, das am 16.11.1935 den ersten "Blitz"-Lkw ausliefern konnte. Im gleichen Jahr brachte Opel ein neu entwickeltes Modell mit selbsttragender Ganzstahl-Karosserie auf den Markt, das nach den bevorstehenden Olympischen Spielen "Olympia" genannt wurde.

1937, im Jahr des 75jährigen Bestehens, beschäftigte das Unternehmens 20.000 Mitarbeiter. Obwohl Opel erst im Jahr 1928 die Aktienmehrheit an den Diamant-Fahrradwerken Chemnitz übernommen hatte, wurde 1937 die Produktion von Fahrrädern eingestellt und die traditionsreiche Fahrradsparte an NSU in Neckarsulm verkauft.

1940 wurde Opel wie die übrigen in ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen der Verwaltung durch den "Reichskommissar für die Behandlung feindlichen Vermögens" unterstellt. Während das Brandenburger Werk auch weiterhin Lkws für die Wehrmacht fertigte, musste im Stammwerk in Rüsselsheim die PKW-Fertigung eingestellt und durch Rüstungsproduktion ersetzt werden.

Nach Kriegsende waren 50 % der Rüsselsheimer Fertigungsanlagen durch Fliegerangriffe zerstört. Durch Demontage gingen zudem die Fertigungsanlagen für das Modell "Kadett" sowie das Brandenburger Werk verloren. Bereits im Mai 1945 wurde mit den Wiederaufbaumaßnahmen begonnen, die sich bis 1954 hinzogen. Zunächst stellte das Unternehmen noch Kühlschränke her, bereits 1946 konnte jedoch der erste Lkw der Nachkriegsfertigung ausgeliefert werden, 1947 wurde auch die Produktion von Pkws wieder aufgenommen. Am 1.11.1948 übernahm General Motors wieder die Leitung des Unternehmens, das seit Kriegsende unter treuhänderischer Verwaltung der Militärregierung gestanden hatte.

In den 1960er und 1970er Jahre nahm das Unternehmen einen großen Aufschwung: Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 35.000 (1962) auf 59.200 (1972), im gleichen Zeitraum verdreifachte sich der Jahresumsatz auf 6,5 Mrd. DM (1972). 1960 wurde in Bochum mit der Errichtung von zwei neuen Werken begonnen, die 1962 die Fertigung des neu entwickelten "Kadett"-Modells aufnahmen.

Seit Ende der 1980er Jahre geriet Opel in eine Krise, als drastische Sparmaßnahmen zu massiven Qualitätseinbußen führten und das Unternehmen in den folgenden Jahren zunehmend Marktanteile verlor. 2004 kam es zu heftigen Streiks der Belegschaft gegen Pläne zum Abbau von Produktionskapazitäten und Entlassung von Mitarbeitern.

2005 wurde die Rechtsform von einer Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt, die am 7.12.2005 als "Adam Opel GmbH" ins Handelsregister eingetragen wurde.

Literatur

Jürgen Lewandowski, Opel. Das Unternehmen. Die Automobile. Die Menschen. München 1992.

Opel 1862 - 1962. Sonderausgabe der Opel-Post, hrsg. von der Adam Opel AG. Rüsselsheim 1962.

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