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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main

informationen aus dem hwa

"Vor dem Schaden klug sein!"
Haus der Geschichte in Darmstadt baut Notfallvorsorge aus

Übergabe von Notfallmaterial an die Darmstädter Feuerwehr

Archive sichern massenhaft einmaliges Kulturgut und stellen es für die Nutzung bereit. Die im Haus der Geschichte am Karolinenplatz unter einem Dach verbundenen Archive - neben dem Hessischen Wirtschaftsarchiv das Hessische Staatsarchiv Darmstadt, das Stadtarchiv Darmstadt und das Archiv der TU Darmstadt - verwahren zusammen rund 30 lfd. km Akten, Urkunden Fotografien, Karten, Pläne, Plakate, Filme, Videos, Tonbänder, digitale Medien u.a.m. Sie bilden das Gedächtnis der Region, der Stadt, der Technischen Universität und der hessischen Wirtschaft.

Doch dieses kulturelle Erbe ist in mehrfacher Hinsicht gefährdet. Neben dem stillen, schleichenden Verfall, dem Akten und Fotografien unterliegen, ist das Kulturgut auch von großen und kleinen Katastrophen bedroht. Spektakuläre Großschadensereignisse wie der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004 oder der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 führen uns das auf drastische Art immer wieder vor Augen. Vor diesem Hintergrund haben eine Reihe von Kultureinrichtungen ihre Notfallvorsorge auf den Prüfstand gestellt, Gefahrenabwehrpläne zur Sicherung des kulturellen Erbes weiterentwickelt und die materielle Basis für eine fachgerechte Bergung und Erstversorgung nach einem Schadensereignis optimiert.

Auf Initiative des Leiters des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß, haben die Archive im Haus der Geschichte am Karolinenplatz gemeinsam eine unfassende Risikoanalyse für das Gebäude durchgeführt, Arbeitsinstrumente und Abläufe für den Ernstfall entwickelt und in einem von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) geförderten Modellprojekt ihre Notfallausrüstung deutlich ausgebaut. Unterstützt wird dieser Prozess der Schadensvorbeugung von der Feuerwehr Darmstadt, dem Hessischen Immobilenmanagement und Fachkräften für Arbeitssicherheit.

Am 6. Februar 2015 wurden der Darmstädter Berufsfeuerwehr sechs Rollcontainer mit Material für Bergung und Erstversorgung von Kulturgütern zur Einlagerung auf Abruf übergeben: Werkzeuge, Bergungsmaterialien, Transportkisten und Schutzausrüstung für etwa 30 Personen. Die roten Erkennungsarmbänder sind für ehrenamtliche Helfer bestimmt: Sie sollen als "Kulturgutretter" erkennbar sein.

Die Zusammenarbeit der vier Partnerarchive soll die Grundlage für eine stärkere Vernetzung von Kultureinrichtungen auf dem Gebiet der Notfallvorsorge bilden. Ziel ist es, die personellen und sachlichen Ressourcen der Einrichtungen zu bündeln, gemeinsame Notübungen durchzuführen und sich im Schadensfall gegenseitig Hilfe zu leisten. In den nächsten Monaten ist die Gründung eines Notfallverbundes von Kultureinrichtungen in Darmstadt und die Unterzeichnung einer Notfallvereinbarung vorgesehen.