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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main


Abt. 108 und 2003, L. Schellenberg'sche Hofbuchdruckerei

Umfang 3,75 lfd. m
Laufzeit 1816 - 1967
Findmittel Datenbank; Findbuch, bearb. von Ute Mayer, 1995

Geschichte des Bestands

Der Bestand gelangte im Herbst 1993 und im Herbst 1995 in zwei Ablieferungen als Depositum des Wiesbadener Tagblatts in das Hessische Wirtschaftsarchiv.

Die Ablieferung des Jahres 1993 umfaßte 16 Musterbücher aus der Zeit von 1904 bis 1939 sowie ca. 25 Schuber mit einzelnen Broschüren, Katalogen, Jahresberichten und anderem.

Im Sommer 1995 wurden einem Schrank im Breich Archiv und Dokumentation des Wiesbadener Tagblatts noch 6 weitere Musterbücher, davon fünf Bände aus dem Zeitraum 1870-1903 und ein Band 1916-1921, sowie 4 Schuber, die vor allem Drucke des 19. Jahrhunderts enthielten, gefunden und im Herbst ebenfalls an das Hessische Wirtschaftsarchiv abgegeben.

Die Serie der Musterbücher reicht somit bis auf zwei Lücken (die Bände der Jahre 1907 und 1909) von 1870 bis 1939. Zwei Bände fallen aus der Serie heraus: Sie enthalten ausschließlich Drucksachen, die für das Wiesbadener Tagblatt bzw. die Schellenberg'sche Hofbuchdruckerei selbst angefertigt wurden.

Für die in den Schubern verwahrten Druckschriften hatte ursprünglich eine Ordnung nach Jahrgängen bestanden, die zum Zeitpunkt der Übergabe allerdings weitgehend zerstört und nicht mehr rekonstruierbar war. Daher erschien es ratsam, die Unterlagen nach thematischen Gesichtspunkten neu zu ordnen.

Wegen der Bedeutung der Musterbücher für die Wirtschaftsgeschichte Wiesbadens wurden alle Firmennamen ausgeworfen, wobei die Ortsangaben weggelassen wurden, sofern es sich um in der Stadt Wiesbaden ansässige Unternehmen handelt.

Geschichte des Unternehmens

Nachdem er bereits im Jahre 1803 eine Buchhandlung und Leihbibliothek gegründet hatte, erhielt Ludwig Theodor Schellenberg am 20. Januar 1809 auch die herzogliche Genehmigung zur Errichtung einer Buchdruckerei, dem zweiten Unternehmen dieser Art in Wiesbaden. Die neugegründete Firma florierte durch staatliche und private Aufträge und druckte 1823 erstmals das im Jahre 1769 aus der Schirmer'schen Buchdruckerei hervorgegangene Wiesbadener Wochenblatt. Es sollte jedoch noch mehr als zwanzig Jahre dauern, bis die L. Schellenberg'sche Druckerei zur endgültigen Druckstätte der Zeitung wurde, die seit 1852 als Wiesbadener Tagblatt erschien.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Druckerei bereits in den Händen der nächsten Familiengeneration. Nach dem Tode Ludwig Schellenbergs im Jahre 1834 war die Leitung des Unternehmens an seine Söhne Louis und August übergegangen.

Zwar starb Louis bereits 1842, doch die Firma erlebte unter der nun alleinigen Leitung seines Bruders einen bemerkenswerten Aufschwung, der den Ausbau der Firmengebäude in den Jahren 1843/44 erforderlich machte. 1869 starb August Schellenberg. Bereits 1866 hatte er sich von der Buchhandlung getrennt und die Geschäfte auf Druckerei und Wiesbadener Tag-blatt konzentriert.

Nachdem Augusts Witwe Marie mehrere Jahre die Geschäfte geführt hatte, übernahm sein Sohn Louis 1877 zunächst die Leitung der Druckerei und 1879 dann die des gesamten Unternehmens. Unter ihm wurde die Druckerei grundlegend modernisiert: So führte Louis 1887 den Rotationsdruck in das Unternehmen ein und verwendete seit 1900 Setzmaschinen. Nachdem sich die Firma schon zuvor räumlich ausgedehnt hatte, wurde seit 1905 der Bau des Tagblatt-Hauses in Angriff genommen.

Als Louis Schellenberg im Jahre 1920 starb, wurden die Geschäfte für mehr als zehn Jahre von seiner Witwe Marie und seiner Tochter Bertha geführt, bis 1932, nach dem Tode Marie Schellenbergs, ihr Sohn Gustav die Leitung des Wiesbadener Tagblatts und der Druckerei übernahm.

Während des zweiten Weltkriegs 1943 mußte das Wiesbadener Tagblatt mit dem Nassauer Volksblatt, einem Organ der NSdAP, fusio-nieren. Die amerikanische Militärre-gierung verbot das Blatt zunächst; Betriebsgebäude und Verlag mußten an den neugegründeten Wiesbadener Kurier verpachtet werden. Seit 1949 durfte das Wiesbadener Tagblatt wieder erscheinen, war allerdings vor große finanzielle Probleme gestellt, die schließlich zur Übernahme durch die Mainzer Verlagsanstalt und Druckerei Will & Rothe KG führte.

Literatur

L. Schellenberg'sche Hofbuchdruckerei. Verlag des Wiesbadener Tagblatts zu Wiesbaden, in: Historisch-biographische Blätter. Der Regierungsbezirk Wiesbaden. Berlin 1911.

125 Jahre L. Schellenberg'sche Hofbuchdruckerei. Verlag des Wiesbadener Tagblatts. 1809 - 1934. Wiesbaden 1934

Müller-Schellenberg, Guntram: Die Wiesbadener Buchhändler-, Drucker- und Verlegerfamilie Schellenberg. In: 175 Jahre Wiesbadener Casino-Gesellschaft. Wiesbaden 1991