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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main


Abt. 110 - Schiffswerft Ruthoff GmbH

Umfang 0,25 lfd. m
Laufzeit 1878 - 1987
Findmittel Datenbank; Findbuch "Kleinere Bestände, Bd. 1"

Geschichte des Bestands

Der Bestand wurde dem Hessischen Wirtschaftsarchiv 1993 von einem Mitglied der Familie Ruthof als Schenkung überlassen.

Geschichte

Christof Ruthof gründete 1872 eine Werft in Mainz-Kastel (Werft 1), die in den ersten Jahren Holzschiffe baute, bis schließlich 1884 das erste eiserne Schiff vom Stapel lief. 1878 wurde die Werft auf ein neues und ausbaufähiges Werksgelände verlagert. 1895 ergänzte das Unternehmen seine Werksanlagen durch die Errichtung einer Maschinenfabrik, die eigene Kolbendampfmaschinen für Schrauben- und Radantrieb produzierte. Später lieferte die Maschinenfabrik Deckhilfsmaschinen über den Bedarf der eigenen Werftanlagen hinaus auch an fremde Werften.

Ein serbischer Großauftrag führte 1892 zur Gründung einer Donau-Werft (Werft 2) in Regensburg, die 1916 durch die Errichtung einer zweiten Betriebsanlage (Werft 3) erweitert wurde.

1920 schied Christof Ruthof aus dem Unternehmen aus, das nun in eine Kommanditgesellschaft unter der Firmierung Christof Ruthof KG umgewandelt und von Josef Ruthof, dem Sohn des Firmengründers, geleitet wurde.

Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen in seinen Betrieben, der Rhein-Werft und der Maschinenfabrik in Mainz-Kastel sowie den beiden Donau Werften in Regensburg, insgesamt 800 Mitarbeiter.

Durch die wirtschaftliche Entwicklung und den Verlust des Absatzgebietes in Südost-Europa kam der Neubau von Schiffen in den 1920er Jahren fast völlig zum Erliegen, so dass die Werften 2 und 3 zeitweise zusammengelegt werden mussten. 1929 konnte mit dem Schnelldampfer "Mainz" das tausendste Schiff der Werften fertig gestellt werden.

Nach dem Tod des persönlich haftenden Gesellschafters Josef Ruthof wurde die Christof Ruthof KG ab dem 21.6.1948 in eine offene Handelsgesellschaft unter der Firmierung "Christof Ruthof Grundstücksgesellschaft oHG" umgewandelt, deren Geschäftszweck die Verwaltung der Grundstücke war. Persönlich haftende Gesellschafter waren Dipl. Ing. Johann Heinrich Koenigsfeld, Dipl. Ing. Adolf Hummel, Fritz Gehm, Therese Koenigsfeld geb. Ruthof, Barbara Hummel geb. Ruthof, Armin Hummel, Dirk Hummel, Maria Stille geb. Hummel und Josef Hummel. Am 18.8.1981 wurde die oHG aufgelöst und aus dem Handelsregister gelöscht.

Als Rechtsnachfolgerin der Werften und Maschinenfabrik wurde in dem Gesellschaftsvertrag vom 11.8.1949 die Christof Ruthof GmbH, Schiffswerften und Maschinenfabrik, Wiesbaden-Kastel, Wiesbadener Str. 87 mit einem Stammkapital von 500.000 Mark gegründet. Als Geschäftsführer wurden Dipl. Ing. Johann Heinrich Koenigsfeld (bis 19.1.1965), Dipl. Ing. Adolf Hummel (bis 31.1.1961), Fritz Gehm (bis 31.7.1961) und Ludwig Fischler (seit 31.1.1961) in das Handelsregister eingetragen. Am 15.8.1950 wurde eine Zweigniederlassung in Regensburg errichtet.

Nachdem am 6.8.1975 wegen Zahlungsunfähigkeit das Konkursverfahren über das Unternehmen eröffnet worden war, wurde zum 14.10.1975 die gewerbliche Tätigkeit eingestellt. Am 21.6.1982 erfolgte die Löschung des Unternehmens aus dem Handelsregister, nachdem am 14.6.1982 das Konkursverfahren durch das Amtsgericht Wiesbaden aufgehoben worden war.

Literatur

Christof Ruthof Schiffswerften und Maschinenfabrik gegründet 1872, Main-Kastel am Rhein - Regensburg a.d. Donau, zur Vollendung des Tausendsten Schiffes Mai 1929, Mainz 1929.

Handelsregisterakte, HWA, Abt. 12.