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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main


Abt. 122 - Kerkerbachbahn AG

Umfang 0,7 lfd. m
Laufzeit 1884 - 1974
Findmittel Datenbank; Findbuch "Kleinere Bestände, Bd. 1"

Geschichte des Bestands

Der Bestand ist in zwei Ablieferungen am 3. März 1995 und 20. September 2005 als Depositum von Frau Renate Schoppet, Runkel, Tochter des letzten Vorstands der Kerkerbachbahn AG, Richard Kuhn, ins Hessische Wirtschaftsarchiv gelangt. Es handelt sich bei den übergebenen Unterlagen um Reststücke eines bis 1974 angeblich noch vorhandenen Archivs, bestehend vor allem aus Konzessionsurkunden und Dokumenten über Grundstückserwerbungen und -veräußerungen.

Geschichte des Unternehmens

Die Kerkerbachbahn AG wurde am 12. Mai 1884 mit Sitz in Christianshütte bei Schupbach (ab Oktober 1906 in Limburg, dann seit 1951 bis zur Auflösung der Gesellschaft 1974 in Kerkerbach) gegründet. Die Betriebseröffnung der Kerkerbachbahn erfolgte auf Grund einer Konzession vom 9. April 1884 zunächst für den Streckenabschnitt Kerkerbach - Hintermeilingen am 1. Mai 1886 und für den Streckenabschnitt Kerkerbach - Dehrn am 5. November 1887 (Güterverkehr) bzw. 10. Januar 1888 (Personenverkehr).

Am 4. Dezember 1901 erhielt das Unternehmen die Lizenz für die Weiterführung der Strecke über Hintermeiligen hinaus nach Mengerskirchen. Der neue Streckenabschnitt erwies sich aber schnell als unrentabel, sodass die Kerkerbachbahn AG mit Erfolg um die Entbindung von der Konzession nachsuchte und den Betrieb noch im gleichen Jahr einstellte. 1934 wurde die Strecke zurück gebaut.

1933 pachtete die Kerkerbachbahn AG vom Landeshauptmann in Wiesbaden den Lahnhafen in Dehrn, um ihn schließlich 1957 käuflich zu erwerben. Die Kerkerbachbahn besorgte den Umschlag der auf dem Wasser ankommenden und abgehenden Güter. Große Bedeutung gewann der Umschlag ab 1952.

Die Bahnanlagen und Gebäude hatten durch den Zweiten Weltkrieg keine nennenswerten Schäden davongetragen. Auch die Betriebsmittel, Lokomotiven und Waggons, hatten den Krieg unbeschadet überstanden. So konnte bereits am 5.Juli 1945 der Verkehr in beschränktem Umfang wieder aufgenommen werden. Am 1. Dezember 1946 wurde die Kerkerbachbahn auf Grund des Artikels 41 der hessischen Landesverfassung in Gemeineigentum überführt und von einem Treuhänder geleitet. Mit Wirkung vom 4.12.1953 wurde die Sozialisierung rückgängig gemacht. 1949, unter Treuhänderschaft, wurde der Linienverkehr (Schupbach - Limburg) und der Miet- und Ausflugswagenverkehr mit Bussen aufgenommen. Für die Abwicklung des Güterverkehrs auf der Straße, zum Teil mit modernen Silo-Lastkraftwagen, gründete die Kerkerbachbahn AG Mitte 1959 die Tochtergesellschaft "Kerkerbachtal Gesellschaft für Transporte und Industrieförderung mbH".

Am 5. Februar 1958 wurde die Kerkerbachbahn AG von der Betriebspflicht für den Personenverkehr auf dem Streckenabschnitt Schupbach - Hintermeilingen entbunden. Trotzdem führten die Güterzüge nach Hintermeilingen weiterhin einen Personenwagen mit. Am 25. Juli 1960 erfolgte die Einstellung des Restpersonenverkehrs auf der Strecke Kerkerbach - Schupbach. Nur wenige Monate später, am 17. Dezember 1960, wurde auch der Güterverkehr auf der Strecke Kerkerbach - Hintermeilingen eingestellt. Es verblieb der nur rund 3,7 km lange Streckenabschnitt Kerkerbach - Dehrn, der zum 1. Januar 1975, nach Auflösung der Kerkerbachbahn AG und ihrer Tochtergesellschaft Kerkerbachtal Gesellschaft für Transporte und Industrieförderung mbH am 31.12.1974, von der Deutschen Bundesbahn übernommen wurde.

Literatur

Andreas Christopher, 100 Jahre Kerkerbachbahn. Geschichte und Fahrzeuge einer hessischen Privatbahn, Aachen 1986 (= Schriftenreihe Historischer Schienenverkehr 10).

75 Jahre Kerkerbachbahn AG. Hrsg.: Kerkerbachbahn AG, Kerkerbach 1959.

Hans Bartel, 75 Jahre Kerkerbachbahn, in: Deutscher Eisenbahnfreund, Heft 8/1960, S. 230-233.