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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main


Abt. 129, Ingenieurbüro Fritz Faudi

Umfang 9,5 lfd. m
Laufzeit 1898 - 1967
Findmittel Datenbank; Findbuch, bearb. von Monika Van Bommel, Ute Mayer und Anne Seyboth, 2006

Geschichte des Bestands

Im November 1995 wurden 18 Kisten Patentakten und Schriftwechsel, die zuvor in den Räumen der Faudi Feinbau GmbH gelagert waren, als Depositum der Fritz und Margot Faudi Stiftung an das Hessische Wirtschaftsarchiv übergeben.

Die Verzeichnung erfolgte sukzessive bis November 2005 durch Monika Van Bommel, Ute Mayer und Anne Seyboth. Endredaktion und Erstellung des Findbuchs wurden im Februar 2006 durch Ute Mayer vorgenommen.

Geschichte des Unternehmens

Ingenieurbüro

Fritz Faudi wurde am 23. Januar 1875 in Grenzach in Baden geboren. Nach einem Studium an der Maschinenbauschule in Chemnitz war er zunächst als Ingenieur in Belgien tätig, wo er 1905 in Brüssel ein Unternehmen gründete, das von ihm patentierte Zubehörteile für die europäische Automobilindustrie fertigte. Im Brüsseler Hauptwerk wurden selbstschmierende Federbolzen, im Lütticher Zweigwerk konzentrisch gehämmerte Kolbenringe hergestellt. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 mussten diese Betriebsstandorte jedoch aufgegeben werden. Zu Beginn des Jahres 1915 wurde der Maschinenpark des Brüsseler Werks nach Köln verlagert, wo 1916 die "Faudi & Klausner GmbH" gegründet wurde, die bis Kriegsende in einem auf Veranlassung von Heeresstellen zur Verfügung gestellten Fabrikgebäude Präzisionsteile für Maschinengewehre produzierte. Gleichzeitig begann Faudi in dieser Zeit bereits mit der Entwicklung von Kugel- und Kardangelenken, Lenkgestängen sowie einer neuartigen Rohr-Kardanwelle.

Die Inflation der Nachkriegszeit führte zur Liquidierung der Faudi & Klausner GmbH. Faudis patentierte Erzeugnisse wurden nun von Lizenzunternehmen gefertigt. Die erste Lizenznehmerin war die frühere Schraubenfabrik A. Ehrenreich & Cie. in Düsseldorf-Oberkassel, die zunächst das Faudi-Winkelgelenk und später auch das in Faudis neugegründetem Ingenieurbüro in Düsseldorf-Oberkassel entwickelte Faudi-Kugelgelenk mit Lenkschub- und Spurstangen herstellte. Die Produktion von Faudi-Kardangelenken und Faudi-Gelenkwellen wurden von dem Werk Sömmerda der Rheinmetall-Borsig AG übernommen.

In den 1920er Jahren entwickelte Faudi eine Luftfederung für Autos und Lastkraftwagen, auch ein Flugzeugfederbein, das seit 1933 durch das Werk Heddernheim der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG hergestellt und später zu einem einbaufertigen Flugzeugfahrgestell weiterentwickelt wurde, das u.a. bei der Aufrüstung der deutschen Luftwaffe Verwendung fand.

Wohl auch wegen der Geschäftsverbindungen mit der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG verlegte Faudi 1934 den Sitz seines Ingenieurbüros nach Falkenstein im Taunus. Seit 1935 wertete Faudi ein von Jacques Muller in dessen Pariser Unternehmen Établissement Rellumit entwickeltes Filterelement in Lizenz aus. Zur Herstellung dieser bald weiterentwickelten Filter für industrielle Anwendungen wurde von Fritz und Margot Faudi die "FAUDI Feinbau GmbH" in Oberursel gegründet und 1938 in das Handelsregister eingetragen. Geschäftsführer des Unternehmens waren Fritz Faudi und der Kaufmann Emil Brauer. Als Zulieferer von Hochleistungsfiltern für die Luftwaffe wurde das Werk nach Kriegsende von der Militärregierung besetzt und teilweise demontiert.

Da die Werksanlagen erst 1950 freigegeben wurden, mußte die seit 1946 wiederaufgenommene Fertigung zunächst in gemieteten Baracken erfolgen. Nachdem in den ersten Jahren vor allem noch erhaltene Restbestände verwertet worden waren, konnten ab 1949 auch neu konstruierte Anschwemmfilter und Magnetanlagen gefertigt werden.

Nach dem Tod von Fritz Faudi am 12. April 1955 wurde das Ingenieurbüro geschlossen. Am 24. Februar 1969 wurde die Fritz und Margot Faudi-Stiftung ins Leben gerufen, die Forschungsprojekte an der TU Darmstadt zur Reinhaltung von Boden, Luft und Wasser finanziell unterstützt.

Faudi Feinbau GmbH

Die Faudi Feinbau GmbH nahm in den folgenden Jahren zunächst mit Filtern und Wasserabscheidern, seit Mitte der 1960er Jahre mit kompletten Filteranlagen einen rasanten Aufschwung.

1989 fusionierte die FAUDI Feinbau GmbH mit ihrer 1956 gegründeten Tochtergesellschaft "Atlantik Gerätebau GmbH", Stadtallendorf. 1990 wurden die Anteile der FAUDI Feinbau GmbH von der Knecht Filterwerke GmbH, Stuttgart (MAHLE Gruppe) übernommen.

Der Firmensitz der FAUDI Feinbau GmbH wurde 1996 von Oberursel nach Stadtallendorf verlagert und der Firmenname in "FAUDI Filtersysteme GmbH" geändert. 1999 wurden die Firmenanteile durch die GERWAH-Unternehmensgruppe übernommen und die Unternehmensbereiche als "FAUDI Coolant Filtration GmbH", "FAUDI Process Filtration GmbH" und "FAUDI Aviation Fuel Filtration GmbH" ausgegründet.

Gleichzeitig wurde die "FAUDI Filtersysteme GmbH" in eine Gesellschaft mit zentralen Diensten für die FAUDI Group umstrukturiert. 2002 erfolgte die Ausgründung des Bereichs Apparate- und Gerätebau als "Atlantik GmbH".

2003 wurden die vier Jahre zuvor ausgegliederten "FAUDI Coolant Filtration GmbH" und "FAUDI Process Filtration GmbH", die jedoch weiterhin als eigenständige Geschäftsbereiche tätig blieben, zur "FAUDI Filter Systems GmbH" zusammengefasst. Gleichzeitig wurde die FAUDI Filtersysteme GmbH in "FAUDI Holding GmbH" umbenannt.

Literatur

Schreiben an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden vom 13.2.1942 (Abt. 129, Nr. 45)

"Kurzbericht über die Arbeit des Herrn F. Faudi []", in: Abt. 129, Nr. 633

"Entwurf [zu einem Abriss der Firmengeschichte]", in: Abt. 129, Nr.606