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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main


Abt. 131 - Meissner GmbH & Co. KG

Umfang 1,0 lfd. m
Laufzeit 1924 - 1996
Findmittel Datenbank; Findbuch "Kleinere Bestände, Bd. 1"

Geschichte des Bestands

Der Bestand, 1 lfd. m., wurden 1996 als Depositum aus der Konkursmasse der Meissner GmbH und Co. KG übernommen. Er enthält vor allem Akten und Geschäftsbücher aus der Zeit nach 1945, Kataloge; Preislisten sowie Glasnegative von Form- und Gussteilen. Er wurde 2006 von Ute Mayer verzeichnet.

Geschichte des Unternehmens

Das Unternehmen wurde am 1.10.1922 von Theodor Meissner und Georg Müller in Wolzhausen gegründet. Die Anfänge waren bescheiden: zunächst wurden nur 4 Arbeitnehmer beschäftigt, die Modelle für Nähmaschinenteile und Öfen herstellten. Als die vorhandenen Räume zu klein wurden, erwarb das Unternehmen 1925 - auch wegen der günstigeren Verkehrsanbindung - das Sägewerk und die Bahnhofsgaststätte in Wallau und siedelte 1926 in die dort neu errichtete Modellfabrik um.

Ein 1931 erteilter Auftrag von der Russischen Handelsvertretung in Berlin zur Herstellung einer Modelleinrichtung für Traktormotoren ermöglichte es Meissner & Co., zusätzliche Arbeitnehmer einzustellen, so dass 1932 schon mehr als 100 Mitarbeiter und bis 1939 mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt wurden. Mit diesem Auftrag begann gleichzeitig die Zulieferertätigkeit für die Fahrzeugindustrie, zu der seit 1935 noch die Herstellung von Einrichtungen für die Flugzeugindustrie kam.

Georg Müller schied 1934 aus dem Untenehmen aus und gründete ein eigenes Modellbauunternehmen. Für ihn trat Fritz Krämer als neuer teilhabender Geschäftsführer ein, der jedoch bereits 1942 wieder ausschied und das Unternehmen Krämer & Grebe in Wallau gründete.

Zum 1.1.1935 wurde die bisherige Rechtsform einer GmbH in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Gesellschafter waren im Jahr 1939 Fritz Krämer, Theodor Meissner, Georg Meissner, Adam Meissner Erben, Anna-Elisabeth Grebe geb. Krämer, Ludwig Grebe sowie Frau M.L. Bornemann geb. Krämer.

Nachdem Meißner & Co. 1937 das Lettermannwerk Ludwigshütte übernommen hatte, das Fleischereimaschinen produzierte, errichtete das Unternehmen 1942 eine Fleischereimaschinenfabrik (Werk II). Als Rüstungsbetrieb wurden die Werksanlagen während des Zweiten Weltkriegs zwei Mal das Ziel von Fliegerangriffen, bei denen auch 8 Menschen den Tod fanden. Wegen der umfangreichen Gebäudeschäden wurde die Produktion in die Fabrikanlagen anderer Betriebe in Wallau verlagert. Mit dem Ende des Kriegs und dem darauf folgenden Zusammenbruch der Flugzeug- und Automobilindustrie kam die Produktion zum Erliegen. Bis zur Erteilung einer Produktionsgenehmigung für Modelleinrichtungen und Fleischereimaschinen 1947 stellte das Unternehmen Haushaltshackmaschinen, Aluminiumschüsseln, Kreissägen und Jauchepumpen her. Mit dem Wiederaufleben der Industrie gewann das Unternehmen auch die Automobilindustrie als Kunde zurück.

Am 25.11.1947 starb der Firmengründer Theodor Meissner. An seine Stelle trat Kurt Meissner.

In den Jahren nach 1956 wurden eine Reihe baulicher Veränderungen und Erweiterungen durchgeführt. 1956 wurde ein neues Verwaltungsgebäude errichtet und 1959 die Fleischereimaschinenfabrik neu erbaut. 1966 erfolgte der Um- und Ausbau der Modellfabrik, die Errichtung eines Sozialgebäudes sowie der Neubau einer Maschinen-Bearbeitungshalle.

Seit 1966 wurde mit Segment-Modellbau für den U-Bahn-Bau (u.a. für den Elbtunnel und die U-Bahn in Hamburg, sowie die U-Bahnen in Frankfurt a. M., München und Wien) begonnen. Die siebziger und achtziger Jahre waren durch den Bau neuer Werke (1979 Werk III Modellbau, 1984 Werk IV Sondermaschinenbau und Fleischereimaschinen, 1987 Anbau Werk IV) geprägt.

Nach mehreren erfolglosen Berateraktivitäten wurde im November 1991 der Bereich Fleischereimaschinenbau in ein eigenständiges Unternehmen "Meissner GmbH & Co. KG Nahrungsmittelmaschinen" und im August 1992 die Blechverarbeitung in Dautphetal-Carlshütte als "Mechanische Komponenten Carlshütte GmbH & Co. KG" ausgegliedert. 1994 wurde auch die Produktion der Nahrungsmittelmaschinen nach Dautphetal-Carlshütte verlagert. Zum 1.4.1994 wurde das Anlage- und Umlaufvermögen der Meissner GmbH & Co. KG Nahrungsmittelmaschinen von der NEMATEC Nahrungsgütermaschinenbau GmbH, Neubrandenburg übernommen.

Am 30.9.1994 musste das Konkursverfahren der Muttergesellschaft eröffnet werden. Am 31.8.1995 wurde der Bereich Sondermaschinenbau geschlossen.

Literatur

Abrisse zur Unternehmensgeschichte (Abt. 131, Nr. 1)