kopfzeile
Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main

Abt. 139 Glyco-Metallwerke

Umfang 1,5 lfd. m
Laufzeit 1897 - 1992
Findmittel Datenbank; Findbuch "Kleinere Bestände, Bd. 1"

Geschichte des Bestands

Der Bestand, 1,5 lfd. m, wurde 1996 als Depositum an das Hessische Wirtschaftsarchiv abgegeben. Er umfasst vorwiegend firmengeschichtliche Unterlagen, Urkunden, Bilanzen und Fotos aus dem Zeitraum 1897 - 1992. Die Unterlagen wurden 1996 bzw. 2004 - 2005 von Ulrich Eisenbach verzeichnet.

Geschichte des Unternehmens

Die "Glyco Metall-Gesellschaft mbH" mit Sitz in Wiesbaden-Schierstein wurde am 24. Oktober 1897 gemeinsam von Max Wagner (+ 18.2.1908), dem Ingenieur Hermann Leonhard und dem Besitzer des "Schiersteiner Metallwerks" Heinrich Ludendorff mit einem Stammkapital von 20.000 Mark gegründet. Gegenstand des Unternehmens war der Vertrieb und die Verarbeitung von Glyco Metall, eines bleihaltigen Lagermetalls, dessen Patent Wagner von dem englischen Metallurgen Dr. John Edward Stead im gleichen Jahr erworben hatte.

Die Metalle wurden zunächst von dem Neusser Eisenwerk in Düsseldorf-Heerdt hergestellt, bis schließlich 1900 die Metallgießerei nach Schierstein verlegt werden konnte. Im gleichen Jahr erhielt das Unternehmen erste Aufträge der Großherzoglich Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn und der Königlich Württembergischen Staatsbahn zum Gießen von Achs- und Stangenlagern. Auch die Weiterentwicklung von Skelettlagern, deren Patentrechte 1904 erworben wurden, konnte erfolgreich vermarktet werden. Bis 1906 stieg die Zahl der Beschäftigten von 10 auf 20 an und 1907 wurde das Stammkapital auf 100.000 Goldmark erhöht. Auch die Automobilindustrie konnte als Kunde gewonnen werden.

Nach dem frühen Tod Max Wagners im Jahr 1908 ging die Glyco Metallgesellschaft mbH auf seine Witwe über, die 1913 auch die Geschäftsanteile Hermann Leonhards übernahm. Da sie Engländerin war, musste sie die Gesellschaft nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs verkaufen: 1915 erwarben drei bisherige Mitarbeiter, die Ingenieure Wilhelm Loos und Felix Daelen sowie der Geschäftsführer Gaebeler das Unternehmen zum Preis von 100.000 Goldmark. Nachdem 1919 Gaebeler wieder ausgeschieden war, wurde zum 1.1.1920 der Namen des Unternehmens, das seit 1917 unter "Glyco-Metallwerke GmbH" firmiert hatte, in "Glyco-Metallwerke Daelen und Loos oHG" geändert.

Das beständige Wachstum des Unternehmens in den 1920er Jahren, das vor allem in Zusammenhang mit dem Aufschwung der Automobilindustrie stand, fand sein vorläufiges Ende mit der Wirtschaftskrise des Jahres 1929. Auch die Belegschaftszahl halbierte sich auf etwa 140 Mitarbeiter. Nach 1933 stieg ihre Zahl erneut an, bis sie schließlich 1937 730 und schließlich 1944 nahezu 2.000 Beschäftigte erreichte. 1938 begann das Unternehmen mit der Produktion von Bandlagern für Ford und später auch Opel.

Nach dem Tod von Wilhelm Loos (Mai 1939) und Felix Daelen (Oktober 1944) wurde das Unternehmen von Paul F. Daelen weitergeführt.

Nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft nach Kriegsende stellte das Unternehmen, dessen Belegschaftszahl auf 350 Mitarbeiter gesunken war, zunächst Haushalts- und landwirtschaftliche Geräte her. Mit dem Aufschwung der Automobilindustrie wuchs auch die Belegschaft bei Glyco und erreichte 1953 1.500 Mitarbeiter. Gleichzeitig wurde die Herstellung von Stahl/Bleibronze-Verbundbändern nach einer Lizenz der Clevite Corp., Cleveland (USA) aufgenommen. 1951 wurde die Handelsgesellschaft Coussimat in Paris gegründet.

1959 erwarb Glyco die Braunschweiger Hüttenwerk GmbH in Braunschweig. Im folgenden Jahr wurde in Trient (Italien) ein neues Werk der Glyco Italia SpA errichtet, die 1965 an die Clevite Corp., Cleveland, verkauft wurde.

1964 stellt die Gießerei die Produktion ein. 1970 erwarb das Unternehmen die Mehrheit an der Harzer Gleitlager GmbH, die Mittel- und Großlager herstellte sowie die Paul Ohlstädt KG in Mainz-Kastel, die als Ohlstädt GmbH weitergeführt wurde. Seit 1974 war Glyco der größte Gleitlagerhersteller in Europa. 1978 wurde die Glyco-Metall-Werke Daelen & Hofmann KG, 1982 die Glyco-Antriebstechnik GmbH gegründet. 1987 lief die Produktion der Metallhütte aus. Nachdem 1989 alle Unternehmen der Gruppe als Glyco AG zusammengeschlossen worden waren, verkauften 1990 die Familien Daelen und Hofmann ihre Anteile an dem Unternehmen an die Federal-Mogul Corporation. Das Unternehmen firmiert heute (2009) als Federal-Mogul Wiesbaden GmbH.

Literatur

"… nicht nur ein gebogenes Stück Blech!" Ein Lesebuch zur Firmengeschichte, herausgegeben von Federal-Mogul Wiesbaden GmbH & Co. KG (ehemals GLYCO-Metall-Werke), Wiesbaden 2005.

Gleitlager für die Welt. 75 Jahre Glyco. Wiesbaden 1972.

Glyco 1897 - 1957. Erschienen anlässlich des 60jährigen Bestehens der Glyco-Metall-Werke Daelen & Loos GmbH 1959, Wiesbaden 1959.