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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main

Abt. 146 - Herz & Co.

Umfang 3,25 lfd. m
Laufzeit 1924 - 1943
Findmittel Datenbank; Findbuch "Kleinere Bestände, Bd. 1"

Geschichte des Bestands

Die Unterlagen wurden am 9.7.1997 durch das Staatsarchiv Darmstadt als Schenkung übergeben. Weitere Informationen zur Provenienz sind nicht vorhanden.

Geschichte des Bankhauses Herz & Co.

Der Vorläufer des Bankgeschäfts wurde von Joseph Herz (11.11.1843 - 29.5.1918), der im Adressbuch der Stadt Gießen von 1896 noch mit der Berufsbezeichnung "Kaufmann" erscheint, wohl um 1900 begründet. Im Adressbuch von 1908 wird das Unternehmen als "Joseph Herz Bank- und Wechselgeschäft, Inhaber Joseph und Moritz Herz" mit der Anschrift "Neue Bäue 23" erwähnt. Nach dem Tod von Joseph Herz wurde das Unternehmen zunächst von seinem Sohn Moritz (*9.3.1878) unter Beibehaltung der Firmierung weitergeführt. Seit 1921 verzeichnet das Adressbuch der Stadt Gießen den Sitz der Gießener Filiale der Deutschen Vereinsbank in der Neuen Bäue 23, so dass das Bankgeschäfts Joseph Herz zu dieser Zeit vermutlich nicht mehr bestand.

Seit 1925 erscheint unter dieser Anschrift jedoch das Bankgeschäft Herz & Co., als dessen Inhaber Moritz Herz genannt wird. Über die Rechtsform des Unternehmens in dieser Zeit ist nichts überliefert.

Am 22.2.1934 wurde Herz & Co. unter der Nummer HRA 1190 in das Handelsregister des Amtsgerichts Gießen eingetragen. Gesellschafter waren der Bankier Moritz Herz und seine Ehefrau Hanna Herz geb. Meyer.

Nachdem das Unternehmen am 27.1.1934 in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt worden war, schied Hanna Herz als Gesellschafterin aus und Moritz Herz betrieb das Geschäft unter der bisherigen Firmierung allein weiter (veröffentlicht im Zentralhandelsregisterbeilage zum Reichsstaatsanzeiger Nr. 66, 19.3.1934).

Am 31.3.1938 wurde das Unternehmen beim Gewerbeamt Gießen abgemeldet. Die Löschung des Unternehmens verzögerte sich jedoch, da der Kriegsbeginn die Eintreibung der wohl erheblichen Außenstände erschwerte. Bemühungen der IHK Gießen, die Abwicklung und Löschung durch die Einsetzung eines kommissarischen Verwalters zu beschleunigen, wurden gegenstandslos, als Moritz Herz am 14.9.1942 verhaftet und in das Lager Liebigschule in Darmstadt gebracht wurde. Die Verwaltung und Verwertung des Vermögens der Familie Herz ging nun an das Finanzamt Gießen über.

Am 25.8.1943 wurde das Unternehmen aufgrund eines von Moritz Herz vom 13.11.1942 unterzeichneten und von der Gestapo Darmstadt beglaubigten Antrags aus dem Handelsregister gelöscht.

Zur Geschichte der Familie Herz

Über das Schicksal der Familie Herz haben sich nur spärliche Informationen erhalten. Der Grabstein auf dem an der Östlichen Mauer des Neuen Friedhofs gelegenen Familiengrab überliefert neben den Lebensdaten von Joseph Herz und seiner Frau Dina (20.4.1850 - 23.5.1922) auch die der Schwiegertochter Hanna Herz geb. Meyer (19.6.1890 - 24.3.1940), der Ehefrau von Moritz Herz.

Eine Gedenkschrift auf dem Grabstein erinnert an Moritz Herz (* 9.3.1878), seine Kinder Lotte (* 7.10.1914) und Werner Guido Josef (* 5.7.1925) sowie seine Schwester Rosa Guthmann geb. Herz (* 8.10.1875), die im September 1942 nach Polen bzw. Theresienstadt deportiert wurden. 1949 wurden sie für tot erklärt.

Literatur

Jüdische Gräber in Gießen. Hrsg. Vom Magistrat der Universitätsstadt Gießen, Gießen 1995. Handelsregisterakte, StA Darmstadt, G 28 Gießen, Nr. R 405.

Susanne Meinl, Legalisierter Diebstahl: Der Fiskus und der Raub "jüdischen Vermögens" in Stadt und Landkreis Gießen 1933-1945. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen N.F. Bd. 87, 2002, S. 1-56, insbes. S. 36-43.

Akten zum Rückerstattungsverfahren, HStA Wiesbaden, Abt. 519/2 Nr. 1624, 2753, 1552 und 1553.