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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main

Abt. 198, Lackfabrik Megerle GmbH & Co. KG

Umfang 4 lfd. m
Laufzeit 1874 - 2004
Findmittel Datenbank; Findbuch "Kleinere Bestände"

Geschichte des Bestands

2008 wurde der Bestand von Axel Wiesmann, seit 1985 geschäftsführender Gesellschafter
der Megerle GmbH, als Depositum an das Hessische Wirtschaftsarchiv abgegeben. Der ca. 4 lfd. m
umfassende Bestand enthält neben Geschäftsbüchern und Korrespondenzen eine Reihe von
Etiketten und Musterkarten, die teilweise bis in die Frühzeit des Unternehmens zurückreichen.
Der Bestand wurde 2009 von Sabine Gössel und Andrea Heck verzeichnet.

Geschichte des Unternehmens

Am 13.5.1874 schlossen Franz Megerle aus Lindau und Wilhelm Priester aus Holzappel einen Gesellschaftsvertrag über den gemeinsamen Betrieb einer Lackfirnissfabrik unter der Firmierung "Megerle & Priester" in Friedberg. Bereits am 28.3.1876 schied Wilhelm Priester wieder aus dem Unternehmen aus. Franz Megerle führt es ab 1.1.1876 unter "Franz Megerle" auf eigene Rechnung weiter und erteilte seiner Ehefrau Wallpurgia geb. Meier (+ 4.9.1918) Handlungsvollmacht. Die Geschäfte entwickelten sich so gut, dass er bereits kurz nach 1890 ein Zweigwerk in Wien errichten konnte. Seit 1896 führte das Unternehmen daher den Namenszusatz "deutsche und österreichische Lackfabriken".
Nach dem Tod Megerles am 1.2.1885 ging das Unternehmen in den Besitz seiner Witwe Walpurgia geb. Meier und ihrer drei minderjährigen Kinder über. Am 1.8.1889 trat Wilhelm Haller, Friedberg, als Teilhaber ein, den Walpurgia Megerle im Februar 1890 heiratete.
Ein wohl kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erschienener Katalog verzeichnet ein breites Sortiment von Speziallacken, Lacke für Waggon-, Lokomotiv- und Automobilfabriken, für die Möbel- und Holzverarbeitungsbranche, für Wachstuchfabriken, für die Blechwarenindustrie und für Heizkörperproduzenten, von denen insbesondere der witterungsbeständige und vielseitig einsetzbare Hochglanzlack "Megerle-Rivalin" erfolgreich war.
Zu Beginn der 1920er Jahre geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Am 30.4.1924 wurde die Franz Megerle oHG von den Schramm'schen Lack- und Farbenfabriken AG in Offenbach am Main übernommen, die gleichzeitig in "Schramm und Megerle Lack- und Farbenfabriken AG" umfirmierten. Wilhelm Haller und Dr. Wilhelm Megerle (+1927) traten in den Vorstand der Aktiengesellschaft ein. Am 26.5.1924 wurde die Gesellschaft handelsregisterlich eingetragen, am 11.12.1926 erlosch die Franz Megerle oHG.
Bereits am 1.11.1926 gründete die Schramm und Megerle Lack- und Farbenfabriken AG das Werk Friedberg, das in der Zwischenzeit als Zweigniederlassung eingetragen war, als eigenständige Gesellschaft in der Rechtsform einer GmbH. Die Muttergesellschaft der "Franz Megerle Lackfabriken und Rivalinwerke GmbH" mit Sitz in Friedberg hielt sämtliche Stammanteile in Höhe von 226.000 RM; Wilhelm Haller wurde zum Geschäftsführer bestellt.
1934 kaufte das Unternehmen die Werksanlagen in Friedberg, die sie bislang von der "Schramm Lack- und Farbenfabriken AG", wie sie nach ihrer Umfirmierung am 26.4.1927 hieß.
Gemäß dem "Gesetz über die Umwandlung von Kapitalgesellschaften" vom 5.7.1934 musste die GmbH in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt werden. Gleichzeitig verkaufte die Schramm Lack- und Farbenfabriken AG die Hälfte des Stammkapitals in Höhe von 226.000 RM, so dass die Anteilseigner nun aus den persönlich haftenden Gesellschaftern Wilhelm Haller (15.000 RM) und Prokurist Fritz Wiesmann (10.000 RM) sowie den Kommanditisten Schramm Lack- und Farbenfabriken AG (113.000 RM), Carl Rompel-Lynen, Gerhard Julius Mehlhase und Friedrich Hengst (jeweils 25.000 RM) sowie Generalleutnant Bock von Wülfingen (13.000 RM) bestanden. Am 31.12.1937 beschloss die Gesellschafterversammlung der Franz Megerle GmbH rückwirkend zum 1.1.1937 die Umwandlung der Gesellschaft in die "Franz Megerle KG Lackfabriken und Rivalinwerke" und gleichzeitig die Erhöhung des Stammkapitals um 226.000 RM auf nunmehr 452.000 RM.
Am 14.6.1938 schied Friedrich Hengst aus dem Unternehmen aus, seine Anteile übernahmen die übrigen Gesellschafter. 1947 verkaufte die Schramm Lack- und Farbenfabriken AG ihre Anteile in Höhe von 226.000 RM an mehrere neue Kommanditisten. Das Kapital wurde 1955 auf 500.000, 1961 auf 600.000 DM und 1964 auf 750.000 DM erhöht.
Nachdem Fritz Wiesmann 1956 gestorben war, trat sein Sohn Horst Wiesmann an seine Stelle als Komplementär und Geschäftsführer. Am 7.5.1957 wurde ein neuer Gesellschaftsvertrag beschlossen.
Wegen der positiven Geschäftsentwicklung in den 1950er Jahren wurden die Produktionsstätten durch ein neues Laboratorium und eine Fabrikationshalle erweitert. In den 1960er Jahren stellte das Unternehmen erfolgreich "Fips-Fingerfarben" her.
Obwohl der Absatz vor allem nach Fernost anstieg, verzeichnete das Unternehmen aufgrund des sinkenden Dollarpreises seit 1968 Verluste. Im Jahr 2004 übernahm die amerikanischen Spraylat Co., die ebenso wie Megerle Schutzlacke für Spiegel produziert, die Megerle GmbH, die seither unter "Spraylat Lacke GmbH" firmiert. Die Megerle KG besteht als reine Immobilienverwaltung weiterhin und vermietet das Firmengelände an Sprylat.

Literatur

HStA Darmstadt, G 28 Friedberg, Nr. R 13 (Handelsregisterakte Franz Megerle)

HStA Darmstadt, G 28 Friedberg, Nr. R 8 (Handelsregisterakte Schramm und Megerle)