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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main

Abt. 201 - Herkules-Brauerei AG

Umfang 13 lfd. m
Laufzeit 1861 - 1995
Findmittel Datenbank; Findbuch, bearb. von Ulrich Eisenbach

Geschichte des Bestands

Das Archiv der Herkulesbrauerei AG kam im November 2009 als Depositum der Binding Brauerei AG, Frankfurt a.M., ins Hessische Wirtschaftsarchiv, wobei der Begriff in diesem Fall etwas irreführend ist. Es handelt sich bei den überlieferten Unterlagen zu einem nicht geringen Teil überwiegend um (zum Teil dreidimensionale) Objekte aus dem Bestand der Marketingabteilung, darunter sehr viele Fotos, Fotoalben und auch Filme. Die eigentlichen Akten (Geschäftskorrespondenz, Geschäftsbücher, Protokolle etc.) bilden eindeutig die Minderheit.

Zahlreiche der vorgefundenen dreidimensionalen Objekte wie Bierfässer, Bierkisten, Bierkrüge (viele davon zu besonderen Anlässen herausgegeben) und Biergläser sind in Absprache mit der Eigentümerin dem Stadtmuseum Kassel überlassen worden oder vom Archiv der Binding Brauerei AG übernommen worden. Beim Archiv der Herkulesbrauerei befanden sich auch Geschäftsbücher der 1972 von der Binding Brauerei AG übernommenen Engelhardt Brauerei in Bad Hersfeld. Vermutlich wurden sie bei der Betriebsstilllegung ein Jahr später zur Verwahrung an die Herkulesbrauerei AG übergeben. Sie sind dem Bestand 201 angegliedert worden, jedoch als eigene Gruppe gekennzeichnet.

Geschichte des Unternehmens

Die Actiengesellschaft Herculesbrauerei wurde 1897 unter Übernahme der beiden Kasseler Brauereien E. Wentzell (gegr. 1827) und Losch'sche Brauerei Gebrüder Sumpf (gegr. 1861) sowie der Greifswalder Brauerei August Sumpf Söhne gegründet. Produktionsstandorte waren das 1895 von der Losch'schen Brauerei Gebrüder Sumpf errichtete Brauhaus in der Hafenstraße in Kassel sowie - für kurze Zeit - die Betriebsgebäude der früheren Brauerei August Sumpf Söhne in Greifswald.

Bereits 1897 wurden die Brauerei H. Eisengarten und die Schiebeler'sche Brauerei auf dem Kupferhammer, beide in Kassel, übernommen. 1912 erfolgte die Fusion mit der seit 1872 bestehenden Hessischen Actien-Bierbrauerei in Kassel-Wehlheiden, der ältesten Aktienbrauerei im Raum Kassel, zur Hessischen und Herkules-Brauerei AG. Die Bierproduktion in Wehlheiden wurde gegen Ende des Ersten Weltkriegs eingestellt.

1921 übernahm die Hessische und Herkules-Brauerei die Brauerei Gebrüder Panse in Hann. Münden, zwei Jahre später auch die Vereinsbrauerei AG in Hofgeismar. Beide Produktionsstandorte wurden stillgelegt. 1940 erfolgte erneut eine Umfirmierung in "Herkulesbrauerei AG".

Weil das Brauhaus an der Hafenstraße bei einem Luftangriff 1944 schwer beschädigt worden war, konnte die Bierproduktion erst Mitte 1948 wieder aufgenommen werden. 1950 erwarb die Frankfurter Binding-Brauerei AG die Mehrheit an der Herkulesbrauerei AG, nachdem ihre eigene Kasseler Braustätte, die Schöfferhof-Brauerei, im Krieg völlig zerstört worden war. Dies markierte den Beginn der engen Zusammenarbeit zwischen den Brauereien Binding und Herkules. 1964/66 braute und vertrieb die Herkulesbrauerei AG Bier unter der Marke "Binding", was von den nordhessischen Konsumenten jedoch nicht angenommen wurde. 1968 wurde die Marke "Herkules" deshalb wiederbelebt.

1972 wurde die Herkulesbrauerei AG auf die Binding-Brauerei AG verschmolzen. Aus der eigenständigen Brauerei wurde eine Niederlassung der Frankfurter Großbrauerei. Zwar investierte Binding in den beiden folgenden Jahrzehnten rund 80 Mio. DM in die Kasseler Braustätte, doch Herkules-Bier wurde nur noch in kleinen Mengen produziert. Im Zusammenhang mit einem Streit mit der Martini Brauerei AG in Kassel um die Rechte am Namen "Herkules" wurde die Marke 1998 ein letztes Mal wiederbelebt.

1999 stellte Binding den Betrieb in der Brauerei an der Hafenstraße ein und verlegte die Herstellung der letzten Kasseler Biermarke - Schöfferhofer Weizen - nach Frankfurt a.M. 2008 wurden die Braugebäude mit Ausnahme des Schornsteins und des so genannten "Schalander" niedergelegt. Auf dem Gelände befindet sich heute ein Baumarkt.

Die Engelhardt Brauerei in Bad Hersfeld entstand im Jahre 1861 als der Bierbrauer Wilhelm Engelhardt von Kassel nach Hersfeld übersiedelte und von Georg Hermann Sauer die Brauerei "Stiftsschänke" am Neumarkt samt dem vor der Stadt gelegenen Felsenkeller "Gickelsburg" erwarb. Ab 1924 war es die einzige Brauerei in Hersfeld.1972 erwarb die Binding-Brauerei AG die Engelhardt Brauerei und stellte die Produktion ein Jahr später ein.

Literatur

Börseneinführungspropekt, 1904 (HWA, Abt. 115, Nr. 507).

Börsen-Handbuch 1901/1902.

Geschäftsberichte der Hessischen und Herkules-Brauerei AG bzw. der Herkulesbrauerei 1936-1971