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Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main


Abt. 216 - Oberhessische Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (OVVG)

Umfang 25,5 lfd. m
Laufzeit 1903 - 2012
Findmittel Datenbank; Findbuch, bearb. von Dr. Ulrich Eisenbach (2018)

Geschichte des Bestands

Im Juni 2015 hat die OVVG-Gruppe in Friedberg ihr Unternehmensarchiv als Depositum an das Hessische Wirtschaftsarchiv abgegeben. Es handelt sich um 1.125 Akteneinheiten sowie 434 Fotos, Filmrollen, Audio- und Videokassetten aus den Jahren 1903 bis 1990. Sie betreffen die beiden Geschäftsbereiche Elektrizitäts- und Wasserversorgung. Die weitaus später hinzugekommenen Tätigkeitsfelder Gasversorgung und Öffentlicher Personennahverkehr sind nur mit einer Akte bzw. nicht vertreten. Die Klassifizierung der Akten orientiert sich - soweit dies möglich war - den beiden Aktenplänen aus den Jahren 1955 und 1963.

Geschichte des Unternehmens

Während gegen Ende des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts große Teile des Rhein-Main-Gebiets und der preußischen Provinz Hessen-Nassau bereits über Elektrizität verfügten, war der weitaus größte Teil der dünn besiedelten hessischen Provinz Oberhessen noch ohne Strom. Nur in wenigen Städten wie Bad Nauheim, Gießen oder Lauterbach gab es kommunale oder staatliche Elektrizitätswerke, die sich anfangs auf die Versorgung des jeweiligen Stadtgebiets beschränkten. Die fortschreitende Elektrifizierung der Nachbargebiete setzte die Provinzdirektion Oberhessen unter Zugzwang, wollte die Provinz wirtschaftlich nicht weiter zurückfallen. Eine Möglichkeit bestand darin, den Aufbau eines Stromnetzes Privatunternehmen zu überlassen, damit aber ein wichtiges Instrument der Strukturpolitik aus der Hand zu geben und mittelfristig auf lukrative Einnahmen zu verzichten. Letztendlich aber entschied man sich dafür, die Stromversorgung selbst zu organisieren, was die Frage nach der Finanzierung der Baukosten für ein Kraftwerk und die Überlandanlagen aufwarf.

Wasserwerk Inheiden

Einzige nennenswerte Einnahmequellen der Provinz Oberhessen waren die Gewinne aus der der Trinkwasserversorgung. Bereits 1902 hatte der Giessener Kreisbauinspektor Stahl auf die bei Inheiden zutage tretenden Quellen hingewiesen und vorgeschlagen, ein Gruppenwasserwerk zur Versorgung der Gemeinden im südöstlichen Teil des Kreises Gießen zu errichten. Am 4. Juli 1906 genehmigte der Provinziallandtag 20.000 Mark für Vorarbeiten zur Erschließung der Inheidener Wasservorkommen. Gleichzeitig sicherte sich die Provinz Oberhessen das Quellgebiet und erwarb bzw. und pachtete Gelände sowie Wasserrechte. Am 31. August 1907 bewilligte der Provinzialrat die Mittel für die Erschließung der Wasservorkommen und genehmigte zugleich einen Vertrag mit der Stadt Frankfurt a.M., der eine Lieferung von täglich 20.000 m³ Wasser ab April 1912 vorsah. Der Provinzialausschuss gab zur Beschaffung der notwendigen Mittel für den Wasserwerksbau eine 4,5-prozentige Schuldverschreibung über 6 Millionen Mark auf. Am 29. Oktober 1909 wurde mit dem Bau der Fernleitung von Inheiden nach Frankfurt a.M. begonnen, und am 30. März 1912 fand die feierliche Einweihung des Wasserwerks Inheiden statt.

Braunkohlekraftwerk Wölfersheim

Die Erschließung der Wasservorkommen bei Inheiden ab 1909 und der Abschluss des Wasserlieferungsvertrags mit der Großstadt Frankfurt a.M. versetzte die Provinz Oberhessen finanziell in die Lage, den Aufbau eines Stromnetzes in Angriff zu nehmen. Ein Stauwasserkraftwerk an der Nidder bei Lißberg mit einer zusätzlichen Dampfkraftanlage sollte den Strom liefern. Dessen Leistung hätte allerdings nur für die Versorgung von 63 Gemeinden mit rund 50.000 Einwohnern ausgereicht und ausgerechnet den wirtschaftsstärksten Kreis Friedberg weitgehend ausgeklammert. Deshalb trat die Provinz Oberhessen mit dem hessischen Staat in Verhandlungen, der seine Absicht bekundet hatte, die Presssteinproduktion der Braunkohlegrube aufzugeben und stattdessen eine Braunkohlebrikettfabrik zu errichten und diese mit einem Dampfkraftwerk zu verbinden, das den Strombedarf der gesamten Provinz Oberhessen decken sollte. Am 12. Dezember 1912 war das Kraftwerk mit allen für die Aufnahme der Stromlieferungen erforderlichen Einrichtungen fertig gestellt. Die zunächst zwei Dampfturbinen erzeugten zusammen 2.500 kW bei 5.250 V Drehstrom, der teils über 5 kV-Kabel und Freileitungen den Kohlengruben und anderen Betrieben in der näheren Umgebung zugeführt, teils auf 20 kV transformiert ins Fernleitungsnetz des Überlandwerks Oberhessen eingespeist wurde.

Erstellung des Stromnetzes

Nach Abschluss eines Stromlieferungsvertrags mit dem hessischen Staat und der Zustimmung des Provinzialtags wurde am 1. April 1912 mit den Bau- und Installationsarbeiten begonnen. In einer ersten Ausbaustufe wurden 113 Gemeinden mit rund 97.000 Einwohnern erfasst. Am 28. Februar 1913 bezogen die ersten Gemeinden Strom. Im Januar 1914 stimmte der Provinzialtag einer Erweiterung des Versorgungsgebiets auf die Stadt und den Kreis Büdingen sowie einer Reihe von Gemeinden in den Kreisen Friedberg, Gießen und Schotten zu. Auch während des Ersten Weltkriegs ging der Ausbau weiter, allerdings wegen des Material- und Personalmangels nur sehr schleppend. Im Februar 1918 waren 143 Gemeinden mit 123.000 Einwohnern, 14 außerhalb der Ortsbereiche liegende Höfe und 47 Bahnhöfe ans Netz angeschlossen. Die Länge der Hochspannungsfernleitungen belief sich auf 409 km. Insgesamt hatte die Provinz Oberhessen bis zu diesem Zeitpunkt rund 5,5 Millionen Mark in den Auf- und Ausbau der Überlandanlage und Ortsnetze investiert.

Weitgehend noch ohne Strom waren nach dem Ersten Weltkrieg Teile des Vogelsbergs. Am 27. Juni 1914 hatte die Provinz Oberhessen der Rheinischen Schuckert-Gesellschaft (RSG) in Mannheim die Ausführung der elektrischen Versorgungsanlagen in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotten übertragen. Der Vertrag sah vor, dass die Provinz die Kosten für Fernleitungen und Umspannstationen, die RSG die für die Ortsnetze tragen sollte. Die RSG sollte die Betriebsführung übernehmen und von der Provinz einen Betriebszuschuss erhalten. Nach zehnjährigem Betrieb sollte die gesamte Anlage in den Besitz der Provinz übergehen. Noch bevor die Bauarbeiten begannen, brach der Krieg aus. Der Vertrag ruhte und wurde 1918 einvernehmlich aufgelöst. Die Anlagen wurden nun auf Rechnung der Provinz erstellt, die Bauausführung übernahm die RSG. Es sollte bis Mitte der zwanziger Jahre dauern, bis auch das letzte Dorf im Vogelsberg Zugang zur Elektrizität erhielt.

Wasserkraftwerk Lißberg

Wegen der Verteuerung der Kohle und der steigenden Nachfrage nach Elektrizität griff das Überlandwerk Oberhessen im Frühjahr 1921 das zu den Akten gelegte Projekt eines Wasserkraftwerks bei Lißberg wieder auf. In Hirzenhain wurde ein Staubecken errichtet, das durch einen geschlossenen Werkkanal mit dem oberhalb von Lißberg gelegenen Wasserschloss verbunden war. Von dort stürzte das Wasser mit einem Nutzgefälle von 63,5 m auf die Turbinen im Tal. Auch der Hillersbach wurde aufgestaut und durch einen Stollen mit dem Werkkanal im Niddertal verbunden. Am 16. Juni 1923 ging das Wasserkraftwerk Lißberg ans Netz und lieferte jährlich bis zu 4.240.000 kWh Strom. 1925 versorgte das Überlandwerk Oberhessen den größten Teil der Provinz Oberhessen mit elektrischer Energie. Lediglich die Stadt Gießen und 42 Gemeinden aus dem nördlichen Kreis Gießen, die vom Überlandwerk Gießen aus einem eigenen Kraftwerk versorgt wurden, die Stadt Lauterbach, die ebenfalls ein eigenes Dampfkraftwerk besaß, sowie eine Reihe von Kleinstädten und Dörfern, die ihren geringen Energiebedarf mit kleinen Wasserkraftwerken selbst deckten, waren davon ausgenommen. Mit den leistungsfähigeren dieser kommunalen Laufwasserkraftwerke vereinbarte das Überlandwerk Oberhessen einen Stromaustausch. Im April 1923 schloss das Überlandwerk Oberhessen mit dem Zweckverband Überlandwerk Schlitzerland Stromlieferungsvertrag und bezog bei Bedarf Strom aus den Wasserkraftwerken in der Fulda bei Rimbach, Lüdermund, Pfordt, Fraurombach und Hutzdorf.

Werbung für elektrische Geräte

In den zwanziger Jahren begannen die Elektrizitäts- und Überlandwerke, intensiv für die Nutzung von Strom zu werben, um einerseits den Stromabsatz insgesamt zu erhöhen, andererseits die Verbrauchsspitzen und -täler auszugleichen. Im September 1928 erhielt das Überlandwerk Oberhessen eine Werbeabteilung mit einem Elektroingenieur an der Spitze und schaffte den ersten Werbewagen an. Die drei Mitarbeiter der Abteilung hielten Vorträge, demonstrierten bei öffentlichen Veranstaltungen die Vorzüge des elektrischen Kochens und verschiedener elektrischer Haushaltsgeräte und nahmen Bestellungen für Elektrogeräte entgegen. Der Steigerung des Stromverbrauchs dienten auch die neuen Stromtarife, die das Überlandwerk Oberhessen zum 1. April 1928 eingeführt hatte. Sie sahen einen Grundpreis vor, dessen Höhe sich nach der Anzahl der angeschlossenen Lampen richtete. Dazu kam der sogenannte Arbeitspreis, der deutlich niedriger war als der frühere Strompreis. Die Zählergebühr entfiel ganz.

Die Maßnahmen verfehlten nicht ihre Wirkung und trugen mit zum Anstieg des Stromverbrauchs bei. Das Kraftwerk Wölfersheim und das Stauwasserkraftwerk Lißberg allein konnten die wachsende Nachfrage auf Dauer nicht mehr decken. Das in die Jahre gekommene Kraftwerk Wölfersheim bedurfte dringend einer Modernisierung, ganz zu schweigen von der angeschlossenen Braunkohlenbrikettfabrik, die mit erheblichen Absatzproblemen kämpfte. Da der hessische Staat als Eigentümer die notwendigen Investitionen nicht allein tragen konnte, gründete er 1927 zusammen mit der Stadt Frankfurt a.M. die Aktiengesellschaft Braunkohlen-Schwelkraftwerk Hessen-Frankfurt (Hefrag), die anstelle der alten Anlagen ein Schwelkraftwerk errichtete. Darin wurde die Braunkohle nach der Trocknung in Schwelöfen unter Luftabschluss auf 420° C erhitzt und in Schwelkoks und Schwelgas aufgespalten. Aus dem Schwelgas gewann man vor allem Schwelteer, der zu Benzin und anderen Produkten weiterverarbeitet wurde. Der Schwelkoks diente zur Befeuerung des Kraftwerks. Als die Anlage 1928 in Betrieb ging, hatte ihr Bau rund vier Millionen RM mehr verschlungen als veranschlagt. Hinzu kamen technische Anlaufschwierigkeiten. Dies veranlasste 1929 die Stadt Frankfurt a.M. und ein Jahr später auch den hessischen Staat ihre Anteile an die Preußische Elektrizitäts-AG (PreussenElektra) zu verkaufen, sodass nun nicht mehr das Land Hessen, sondern der Preußische Staat als Mehrheitsaktionär der PreussenElektra Hauptstromlieferant des Überlandwerks Oberhessen war.

Begehrlichkeiten der PreussenElektra

Dieser Wechsel war nicht ohne eine gewisse Brisanz, war doch das Verhältnis der Provinz Oberhessen zur PreussenElektra zu dieser Zeit nicht unproblematisch. Der wachsende Stromverbrauch begünstigte einen Konzentrationsprozess, der auch die Existenz des provinzialen Überlandwerks bedrohte. Kleine kommunale und private Elektrizitätswerke wurden von Überlandwerken übernommen, und die Überlandwerke ihrerseits gerieten zunehmend ins Visier der entstehenden Stromkonzerne, die sich anschickten, den Stromerzeugungsmarkt unter sich aufzuteilen.

Das Überlandwerk Oberhessen lag im "Interessengebiet" der PreussenElektra, deren Ziel es war, nicht nur Elektrizität zu erzeugen, sondern auch zu verteilen. Als Alternative zu einem Verkauf des Überlandwerks, der durchaus erwogen wurde, verfolgte die Provinzialverwaltung zunächst die Strategie, es in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln und durch Fusion mit anderen regionalen Stromversorgern einen leistungsfähigen Block zu bilden, um den Begehrlichkeiten der Großkonzerne zu widerstehen. Verhandlungen mit der HEAG in Darmstadt und der EAM in Kassel verliefen jedoch ergebnislos. Nach dem Erwerb des Schwelkraftwerks Wölfersheim verstärkte die PreussenElektra den Druck und drohte 1930/31 sogar indirekt mit einer Stilllegung des Kraftwerks für den Fall, dass ihr Übernahmeangebot nicht angenommen würde. Dennoch gelang es der Provinz, die Unabhängigkeit ihres Überlandwerks zu verteidigen.

Nationalsozialismus und Folgen

Wenige Jahre später drohte die Verstaatlichung der provinzialen Werke. Im Rahmen seiner Zentralisierungsbestrebungen löste das NS-Regime die drei hessischen Provinzen zum 1. April 1937 auf. Deren Aufgaben gingen auf das Land Hessen über. Reichsstatthalter Sprenger beanspruchte auch das Überlandwerk Oberhessen und das Wasserwerk Inheiden für den hessischen Staat, nahm aber schließlich nach heftigem Widerstand aus Oberhessen von seinen Plänen Abstand. Stattdessen gründete der Provinzialausschuss unmittelbar vor seiner Auflösung als Träger der ehemaligen provinzialen Werke den Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV), dem die sechs Kreise Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Lauterbach und Schotten angehörten.

Die Schäden, die das Überlandwerk Oberhessen im Zweiten Weltkrieg erlitt, waren vergleichsweise gering. Nur das Verwaltungsgebäude in Friedberg war bei Luftangriffen beschädigt worden. Viel schwerer wog der Umstand, dass während des Krieges im Rahmen der "Kupferaktion" aus 456 km Fern- und 96 Ortsnetzverteilungsleitungen das Leitungskupfer ausgebaut und durch Eisen ersetzt worden war, was erhebliche Stromverluste mit sich brachte. Es dauerte bis Ende der fünfziger Jahre, ehe überall neue Kupfer- bzw. Aluminiumleitungen verlegt worden waren, Schalthäuser und -stationen erneuert und erweitert und das Netz generell wieder in einem Zustand war, der dem in diesen Jahren rasch steigenden Stromverbrauch gerecht wurde.

Unternehmensstrukturen

Zum 1. Januar 1954 wurden die Verwaltungen des Überlandwerks Oberhessen und des Wasserwerks Inheiden in Friedberg zusammengelegt. Neben den beiden technischen Verwaltungen gab es nun eine für beide Betriebe gemeinsame kaufmännische Verwaltung. Erstmals erschien in diesem Jahr auch die Kundenzeitschrift "Unser Oberhessen". Als 1969 das Gesetz über die kommunalen Zweckverbände aus dem Jahr 1931 durch das Gesetz über kommunale Zusammenarbeit ersetzt wurde, entschlossen sich die Verantwortlichen des ZVO 1972 zu einer Umwandlung ihrer Strom- und Wasserversorgungsbetriebe in eine Aktiengesellschaft, die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG). Der Zweckverband bestand weiter und hielt alle Aktien der neuen Gesellschaft, sodass der Einfluss der fünf bzw. später drei oberhessischen Kreise auf die Unternehmenspolitik erhalten blieb.

Erneuerbare Energien

In den folgenden Jahrzehnten weitete die OVAG ihr Tätigkeitsfeld kontinuierlich aus. 1977 gründete sie gemeinsam mit der Main-Gaswerke AG die Oberhessische Gasversorgung GmbH. 1994 übernahm sie neue Aufgaben im Öffentlichen Nahverkehr. Zu diesem Zweck wurde als Dachgesellschaft die Oberhessische Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (OVVG) ins Leben gerufen. Alleiniger Aktionär der OVAG ist seitdem die OVVG, eine 100prozentige Tochter des ZOV. 2005 verschmolzen die drei Verkehrsgesellschaften des Wetteraukreises, des Vogelsbergkreises und des Landkreises Gießen zur Verkehrsgesellschaft Oberhessen mbH (VGO) unter dem Dach der OVVG. 2002 erwarb die OVAG von der Landesbank Hessen-Thüringen die hessenEnergie GmbH, die für Kommunen und Unternehmen Projekte zur rationellen Energieanwendung und zur Nutzung erneuerbarer Energien entwickelt. Im gleichen Jahr gründete sie mit zwei anderen Unternehmen die Abwasserservice Oberhessen AG, die Kläranlagen baute und betrieb sowie für interessierte Kommunen die Abwasserwirtschaft regelte.

Die Hinwendung der OVAG zu umweltfreundlicheren und erneuerbaren Energien begann 1986 mit einem erdgasbefeuerten Blockheizkraftwerk für die Ayers-Kaserne der US-Armee in Kirch-Göns - ein gemeinsames Projekt mit der Main-Gaswerke AG. Am 16. November 1990 eröffnete die OVAG bei Grebenstein-Hartmannshain im Vogelsberg Deutschlands bis dahin größten Windenergiepark. Bis 2005 gingen 280 oberhessische Windkraftanlagen mit einer Gesamteinspeiseleistung von 150 MW ans Netz der OVAG. Ende 1990 nahm die OVAG auf dem Betriebsgelände "Auf der Warth" in Friedberg ihre erste Photovoltaikanlage in Betrieb, mit der zugleich die Bedingungen für die Nutzung der Sonnenenergie unter oberhessischen Klimabedingungen getestet werden sollten. Bis 2011 stieg die Zahl der Photovoltaikanlagen, die ins Netz der OVAG eingespeist wurden, auf mehr als 6.300; zusammen erbrachten sie eine Leistung von 85 MW.

2017 gehören zur OVAG-Gruppe: die Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG), die ovag Energie AG, die ovag Netz AG, die hessenENERGIE Gesellschaft für rationelle Energienutzung mbH (hessenENERGIE), die Verkehrsgesellschaft Oberhessen mbH (VGO) und die beiden Beteiligungsunternehmen Oberhessische Gasversorgung GmbH (Oberhessen-Gas) und Oberhessengas Netz GmbH. Die OVAG fördert aus 22 Brunnen im Vogelsberg, die in einem 450 km² großen Trinkwasserschutzgebiet liegen, Trinkwasser und versorgt damit mehrere hunderttausend Menschen in über 100 Stadt- und Ortsteilen, von Lauter bis Frankfurt a.M. und Butzbach bis Hirzenhain. Ihr Stromnetzgebiet, von der ovag Netz AG betrieben, umfasst rund 2.000 km² mit rund 460.000 Einwohnern und erstreckt sich über den Landkreis Gießen, den Vogelsbergkreis, den Wetteraukreis und den Main-Kinzig-Kreis. Unabhängig davon liefert die ovag Energie AG deutschlandweit Strom, Gas und Wärme an rund 210.000 Kunden.

Literatur

Richard von Stadler, Er-Leberleiden und -Freuden. "Mein Lebensschicksal", 1950.

Dienst an der Allgemeinheit. Strom und Wasser durch den ZOV, 1954.

Das Buch vom ZOV. Hrsg. vom Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe, 1962.

Wir haben Energie. 75 Jahre Versorgung für Oberhessen, 1987.

Hans-Ulrich Lipphardt und Rainer Schwarz (Hg.), Der Strom und das Wasser. Literarische Funken und Strudel, Lauterbach 2005.

100 Jahre ovag. Eine oberhessiche Zeitreise, 2012.