kopfzeile
Hessisches Wirtschaftsarchiv
eine Einrichtung der hessischen Industrie- und Handelskammern
und der Handwerkskammer Rhein-Main

Abt. 2000 - Nachlass Richard Merton

Umfang 18,5 lfd. m
Laufzeit 1919 - 1958
Findmittel Kartei der Korrespondenzpartner, Übergabeliste

Geschichte des Bestands

Im Rahmen der Übernahme des Konzernarchivs der Metallgesellschaft AG im Jahr 1994 wurde auch die dort verwahrten Unterlagen aus dem ehemaligen Büro Richard Mertons als Depositum der Erben Mertons an das Hessische Wirtschaftsarchiv abgegeben.

Die Unterlagen umfassen den über das Büro abgewickelten Briefwechsel Mertons sowie Verbandakten und Materialien zur Aufsichtsratstätigkeit Mertons aus dem Zeitraum 1919 - 1958.

Biografischer Abriss

Richard Merton wurde am 1.12.1881 als Sohn Wilhelm Mertons geboren. Nach der Schulzeit in Frankfurt studierte er Jura und Kameralistik und trat 1902 in die Berg- und Metallbank ein. Nach Aufenthalten in den Zweigbetrieben der Metallgesellschaft im Ausland war er von 1907 bis 1911 Mitglied des Aufsichtsrats der Metallgesellschaft, seit 1911 auch Mitglied des Vorstands, seit 1913 Mitglied des Aufsichtsrats von Metallgesellschaft und Metallurgischer Gesellschaft, ab als 1917 Vorsitzender.

Während des Ersten Weltkriegs war er als Offizier an der Front und als Adjutant in militärischen Verwaltungsstellen tätig und forderte in seinen Denkschriften die Einführung einer staatlichen Ernährungszwangswirtschaft, Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Beschränkung von Kriegsgewinnen. 1919 war Merton Mitglied der deutschen Delegation für die Friedensverhandlungen in Versailles.

In den zwanziger Jahren baute er zusammen mit seinem Bruder Alfred die Metallgesellschaft wieder auf, die durch den Verlust ihrer ausländischen Gesellschaften stark geschädigt war. Seit 1936 wurde Merton wegen seiner jüdischen Herkunft zunehmend aus seinen Funktionen innerhalb der Metallgesellschaft verdrängt. Nach einer dreiwöchigen Internierung in Buchenwald 1938 gelang ihm 1939 die Flucht nach England, dessen Staatsangehörigkeit er neben der deutschen von Geburt an besaß.

1947 kehrte Merton nach Deutschland zurück. Seit 1948 war er wieder im Aufsichtsrat der Metallgesellschaft vertreten, dessen Vorsitzender er 1950 - 1955 war.

1948 - 1955 war er Präsident der deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer. 1949 war Merton Vorsitzender, danach Ehrenvorsitzender des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft. Dessen Gründung er angeregt hatte.

Im sozialen und kulturellen Bereich knüpfte Merton an die Ziele seines Vaters an, indem er dessen Gründungen weiterführte. Seit 1914 gehörte er dem Kuratoriums der Frankfurter Universität an. Nach dem Zweiten Weltkrieg förderte er neben dem Institut für Gemeinwohl auch die Frankfurter Gesellschaft für Sozialpolitik und stiftete 1956 einen Lehrstuhl für Sozialpolitik an der Universität Frankfurt.

Richard Merton starb am 6. Januar 1960 in Frankfurt am Main.

Literatur

Richard Merton, Erinnerungen aus meinem Leben, das über das Persönliche hinausgeht, Frankfurt am Main 1955

Hans Achinger, Richard Merton. Frankfurt am Main 1970.

Art. Richard Merton in: Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon. Im Auftrag der Frankfurter Historischen Kommission hrsg. Von Wolfgang Klötzer, Bd. 2, Frankfurt am Main 1996